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Die Übersetzungstechnologie, die der
translate-Produktreihe zugrunde liegt, basiert auf den Prinzipien der Slot-Grammar
, einer ursprünglich von IBM entwickelten grammatischen
Beschreibungsmethode. Die Grundidee der Slot-Grammar ist, dass jeder
Satz und jedes Satzglied ein zentrales Element (den Kopf) und
Modifikatoren hat. Für jeden Kopf kann bestimmt werden, was für Stellen
(Slots) für Modifikatoren (Fillers)
verfügbar sind. Die Slots können einerseits durch die Wortart bestimmt
sein und andererseits durch das Wort selbst. So kann fast jedes
Substantiv durch Adjektive modifiziert werden, aber nur bestimmte
Substantive durch Ergänzungen mit der Präposition an, zum Beispiel:
Nachricht an die Firma.
Die von einzelnen Wörtern abhängigen Slots müssen im
Wörterbuch bei der Definition des Wortes angegeben werden, da sonst
ausgangssprachliche Sätze nicht richtig analysiert und demzufolge auch
nicht richtig übersetzt werden können.
Slots
Der zentrale Begriff des Slot-Grammar-Systems ist der Slot
(deutsch: freie Stelle, Leerstelle).
Die Slot-Grammar geht davon aus, dass jedem Wort bestimmte Slots eigen
sind. Dabei muss jede Bedeutung eines Wortes berücksichtigt werden.
Denn beispielsweise hat das englische Wort house als Verb andere Slots
als als Substantiv. Der Begriff Slot ist verwandt mit herkömmlichen
Begriffen wie Ergänzung, Komplement,
Objekt und Attribut.
Die Slots werden durch Satzglieder gefüllt (Fillers), die einzelne Wörter oder auch ganze
Sätze sein können. Zum Beispiel legt das Verb schenken fest, dass der Schenkende
im Satz als Subjekt auftritt, der Beschenkte
als Dativobjekt, das Verschenkte
als Akkusativobjekt:
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Er schenkt dem Kind ein Auto.
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Slots, die zu einem bestimmten Wort gehören, werden im
Wörterbuch bei eben diesem Wort vermerkt. Da ein Wort mehrere Slots
haben kann, spricht man vom Slotrahmen (oder der Rektion)
dieses Worts. Bei dem Verb schenken besteht der Slotrahmen aus Subjekt,
Akkusativobjekt, Dativobjekt.
Slots können optional sein wie
Akkusativ- und Dativobjekt bei schenken oder obligatorisch
wie das Akkusativobjekt von verursachen. Optionale Slots können leer
bleiben, obligatorische müssen immer gefüllt sein, damit ein
vollständiger Satz entsteht.
Fillers
Slots (Leerstellen) können durch
unterschiedliche Satzglieder gefüllt werden. Diese
werden Fillers genannt und müssen für die jeweiligen
Slots bei jedem Wort angegeben werden.
Bei einem Verb wie schenken sind Akkusativ- und
Dativobjekt Nominalgruppen. (Satzglieder, deren Kopf ein Substantiv
ist). Anders das Verb vergessen, dessen Akkusativobjekt-Slot außer
durch Nominalgruppen auch durch Dass-Sätze und Infinitivsätze gefüllt
werden kann:
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Er hat das Prinzip vergessen.
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Er hat vergessen, dass das Prinzip gilt.
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Er hat vergessen, das Prinzip zu
beachten.
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Arbeitsweise von translate
translate zerlegt einen Text in einzelne Sätze (manchmal
auch Bruchstücke von Sätzen), und geht dann satzweise vor. Dabei wird
ein Satz zunächst in einzelne Wörter zerlegt, diese werden auf Grundformen
zurückgeführt und im Wörterbuch nachgeschlagen. Den Wörtern werden ihre
grammatischen Eigenschaften und die Möglichkeiten der Übersetzung
zugeordnet.
Anschließend findet eine syntaktische Analyse
des Satzes statt, bei der der Satz in seine einzelnen Bestandteile
(Satzglieder) zerlegt wird. Die eigentliche Übersetzung findet dann in
zwei Phasen statt, erst der lexikalische Transfer,
der aufgrund der Übersetzungsbedingungen jedem Wort seine im Kontext
gültige Übersetzung zuordnet, und dann der strukturelle
Transfer, der für die korrekte Wortstellung in der Übersetzung
sorgt und andere notwendige strukturelle Veränderungen vornimmt (siehe
auch Zuordnung zwischen ausgangs- und
zielsprachlichen Ergänzungen und Transformationen). Schließlich
werden die korrekten Wortformen erzeugt, und die Übersetzung wird in
ihre endgültige Form gebracht.
Zuordnung zwischen ausgangs-
und zielsprachlichen Ergänzungen
Für die Übersetzung eines Satzes müssen nicht nur die
Entsprechungen der Wörter in der Ausgangs- und der Zielsprache sondern
auch die jeweiligen Slotrahmen bekannt sein. Für die deutschen und
englischen Slots (Ergänzungen) sind Standardentsprechungen festgelegt.
So ist dem deutschen Akkusativobjekt das direct object im Englischen
als Standardentsprechung zugeordnet. Zum Beispiel:
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begleiten
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Subjekt |
Akkusativobjekt |
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accompany
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subject |
direct object |
Anders bei folgendem Beispiel:
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bedürfen
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Subjekt |
Genitivobjekt |
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require
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subject |
direct object |
Zu Genitivobjekten gibt es keine standardmäßige
Entsprechung.
Transformationen
Deutsche und englische Sätze, die Übersetzungen
voneinander sind, unterscheiden sich oft in ihrer syntaktischen
Struktur. Bei der Übersetzung werden deshalb in translate in solchen
Fällen Transformationen angewendet, um die gewünschte strukturelle
Veränderung zu bewirken.
Es gibt zwei Arten von Transformationen:
- Lexikalische Transformationen, die an konkrete
lexikalische Einheiten gebunden sind. Die jeweiligen Transformationen
sind im Wörterbuch von translate bei den betreffenden Wörtern bzw.
Ausdrücken erfasst.
- Strukturelle Transformationen, die allgemeine
strukturelle Unterschiede zwischen Deutsch und Englisch beschreiben.
Sie sind Bestandteil der Transferkomponente von translate.
Beispiele für strukturelle Transformationen:
Verbendstellung in deutschen Nebensätzen gegenüber
normaler Wortstellung im Englischen:
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Englisch: |
It is good that he has come.
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Deutsch: |
Es ist gut, dass er gekommen ist.
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Umschreibung mit do in englischen
Fragesätzen:
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Englisch: |
Did you
answer the letter?
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Deutsch: |
Beantworteten Sie den Brief?
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Umschreibung der Negation mit do:
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Englisch: |
I didn't
answer the letter.
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Deutsch: |
Ich beantwortete den Brief nicht.
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Vorangestellte Objekte im Deutschen:
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Deutsch: |
Diesen Brief
beantwortete ich nicht.
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Englisch: |
I didn't answer this
letter.
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Konstruktionen mit Modalverben:
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Deutsch: |
Er hatte das Buch nicht lesen wollen.
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Englisch: |
He hadn't wanted
to read the book.
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Lexikalische Transformationen
Wörter oder Konstruktionen können nicht immer so
übersetzt werden, dass sich Wortart und Slotrahmen genau entsprechen.
In translate gibt es lexikalische Transformationen, mit deren Hilfe
eine große Anzahl struktureller Unterschiede zwischen deutschen und
englischen Konstruktionen behandelt werden können.
Beispiele für lexikalische Transformationen
Manche Verben verlangen in der Ausgangssprache kein
Objekt, wohl aber in der Zielsprache.
Beispiele dafür gibt es reichlich:
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Englisch: |
He golfed.
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Deutsch: |
Er spielte Golf.
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Englisch: |
I bank at Barclay's.
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Deutsch: |
Ich habe ein Konto bei Barclay.
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Englisch: |
I inconvenienced him.
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Deutsch: |
Ich bereitete ihm Umstände.
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Englisch: |
He hiccuped.
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Deutsch: |
Er hatte den Schluckauf.
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Eine englische Konstruktion mit prädikativem Adjektiv
kann oft durch ein deutsches Verb wiedergegeben werden:
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Englisch: |
He is aware of the new situation.
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Deutsch: |
Er weiß von der neuen Situation.
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Einem englischen Subjekt kann ein deutsches Dativobjekt
und dem Akkusativobjekt das Subjekt entsprechen, wobei bei like auch
die Wortstellung unterschiedlich ist, bei lack nicht:
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Englisch: |
I like it that the vase is red.
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Deutsch: |
Es gefällt mir, dass die Vase rot ist.
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Englisch: |
I lack money.
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Deutsch: |
Mir fehlt Geld.
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Bei Verben, die in transitiver Verwendung kausative
Bedeutung haben, wie drop, erscheint im Deutschen lassen, wofür es im
englischen Satz keine direkte Entsprechung gibt.
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Englisch: |
He dropped it.
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Deutsch: |
Er ließ es fallen.
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Englisch: |
You should hear me out.
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Deutsch: |
Sie sollten mich ausreden lassen.
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Einige englische Konstruktionen mit Infinitiv werden im
Deutschen besser durch ein Adverb wiedergegeben:
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Englisch: |
I like to read books.
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Deutsch: |
Ich lese gerne Bücher.
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Englisch: |
She happened to find the book he lost
last week.
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Deutsch: |
Sie fand zufällig das Buch, das er
letzte Woche verlor.
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Einige Verben in Passivkonstruktionen werden im
Deutschen im Aktiv-Reflexiv wiedergegeben.
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Englisch: |
He said that he was injured.
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Deutsch: |
Er sagte, dass er sich verletzte.
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Für die Wortdefinition in translate steht die häufigste
lexikalische Transformation zur Verfügung, die have mit sein übersetzt.
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Englisch: |
She has walked to the house.
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Deutsch: |
Sie ist zum Haus gegangen.
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Literatur
Eberle,
Kurt (2001), "Translation mismatches in lexically driven FUDR-based MT,
Towards standardization of lexicon formalisms for MT", TALN, Tours,
Juillet 2001, pp. 267- 276.
Eberle, Kurt
(2001), "FUDR-based MT, head switching and the lexicon", MT Summit
VIII, Santiago de Compostela, 18-22 September 2001.
Lehmann,
Hubert (2002): "Integration von automatischer Übersetzung und
Translation-Memorys" (Zusammenfassung), (Präsentation),
tekom-Jahrestagung, November 2002
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